Diesmal hat Daniel Düssentrieb richtig zugeschlagen denn in der aktuellen Mickey Maus Ausgabe 12 (Auflage: 314000, Preis 3,20 Euro) ist ein kleines, in China produziertes, Radio dabei mit dem es möglich ist den Deutschen Polizeifunk abzuhören. Was sagt dazu wohl die GEZ :)

Wenn euch die Technik interessiert dann schaut euch den ganzen Artikel an.


Für technisch affinen Leser ist das keine Schlagzeile wert da man mit Hilfe eines älteren Radios mit wenigen Handgriffen die “Sperrfunktion” am Drehkondensator umgehen kann und somit in den Genuss kommt die Frequenz zwischen 84,015 und 87,255 MHz (je nach Region) mitzuhören. Außerdem kann man mit einem Weltempfänger, einer TV Karte mit Radio Funkion, oder einem Breitband Scanner ganz ohne Bastelarbeit den Polizeifunk abhören. Bei Ebay sind ebenfalls maßenweise Geräte zu kaufen die eine Frequenzbereich (Frequency range) von FM: 80-108MHz haben

Ich berichte hier aber aus 2 Gründen davon:
1. finde ich es ganz lustig dass der Mickey Maus aus dem Ehapa Verlag so eine Panne passiert, glaube aber nicht wie jetzt wieder einige Schreien an einen PR-Gag. Klar, es werden sich jetzt sicher einige die aktuelle Ausgabe kaufen um den Polizeifunk abhören zu können aber Absicht möchte ich nicht unterstellen. Außerdem ging laut Pressebericht das Gerät in eine Institut die das Gerät geprüft hatten.

2. Aber ich freue mich jetzt schon auf die Politiker die wieder die Diskussion ins Rollen bringen die eigentlich auch wirklich angebracht ist. Wann wird auf Digital umgestellt?

Laut Deutschem Telekommunkationsgesetz §89 ist das Abhören dieser Freqeunzen übrigens nicht illegal. Verboten ist lediglich das weitergeben der Daten.

Nun aber zum Thema. Momentan wird in Deutschland, von einigen wenigen Pilotprojekten, der analoge BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) Funk genutzt. Dieser kann nicht verschlüsselt werden und wird auf 3 Wellenlängen übertragen (4m- (74–87 MHz), 2m- (167–174 MHz) und 70cm-Band (443–450 MHz)). Die Kanäle besitzen ein Ober- und ein Unterband. Gesendet wird im Unterband und Empfangen im Oberband. Das Problem hierbei ist nun dass man diese Frequenzen nicht einfach einschränken kann sondern es geregelt wurde dass “normale” Empfänger, also Haushaltsgeräte für den öffentlichen Radio Empfang auf diese Frequenzen nicht zugreifen können. Wie oben schon beschrieben ist dies auf vielerlei Arten zu umgehen. Da dies kein Geheimnis ist erfolgen Funksprüche auf diesen Kanälen in Behördensprache und können so ohne Kentniss der Codes nicht verstanden werden. Diese Codes sind aber im Internet leicht zu dechiffrieren. Beispielsweise hier.

Aus diesem Grund ist seit einiger Zeit geplant den BOS-Funk zu digitalisieren. Dies ist technisch bereits stark durchdacht und in diversen Projekten auch schon angesetzt worden aber scheiderte bisher an den Kosten. Wir reden hier immerhin von einem Multi-Milliarden-Euro Projekt. Das Ziel ist nämlich ehrgeizig. Bis 2011 sollen 500.000 Beamte das moderne digitale Netz nutzen können. Dieses digitale Netz wäre weltweit das größte dieser Art. So ein Projekt braucht Zeit und deshalb wird es, auch wenn das Ziel bis 2011 wiedererwarten klappen würde, noch lange Zeit parallel mit dem anaologen Netz betrieben werden.

Es standen 3 Technologien zur Auswahl
- Tetra (Motorola)
- Tetrapol (EADS)
- GSM-BOS (Vodafone)

Das Rennen gemacht hat Tetra (Terrestrial Trunked Radio) und hat sich seit der Einführung des ersten Protokolls im Jahre 1995 erfolgreich international etabliert. Die Bundeswehr nutzt diese Technologie bereits. Wichtig zu erwähnen ist dass es sich um einen offenen Standard handelt was mich persönlich sehr erfreut und die Vorteile dadurch auf der Hand liegen. Das Netz bietet zahlreiche Leistungsmerkmale die wichtigste allerdings die Ende-zu-Ende Verschlüsselung.

Die Schlüsselalgorithmen wurden von der BDBOS in Zusammenarbeit mit der BSI entwickelt. Technisch umgesetzt wird das ganze mit einem Kryptoserver der die Verbindungen authorisiert. Die Schlüssel werden von einer Kryptovariablen-Managementstation zur Verfügung gestellt welche diese wiederum über eine ISDN Verbindung vom Trustcenter des BSI bezieht. Der Schlüssel für das Endgerät ist auf einer Chipkarte gespeichert (ähnlich einer SIM).
Für genauere Technische Spezifikation besucht bitte diese interessante Seite die sich auführlich mit digitaler Funkttechnik beschäftigt.

Wie bereits geschrieben können wir sicher die Tage an einer Hand abzählen bis eine neue Diskussion zum Thema Behördenfunksicherheit entfacht wird.

Geräte mit denen BOS-Funk empfangen werden kann
-FR 100 Flugfunkscanner

- Tischscanner UBC

- Handscanner UBC

Quellen:
http://archiv.mopo.de/archiv/2009/20090319/hamburg/panorama/im_micky_radio_laeuft_polizeifunk.html
http://www.digitaler-bos-funk.de/

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