Ich möchte an dieser Stelle eine kleine Übersicht geben wie man sich im Internet weitestgehend anonym bewegen kann. Gleich zu Beginn möchte ich aber darauf hinweisen dass völlige Anonymität nur mit großem Aufwand zu realisieren ist.

Da jeder der sich im Internet aufhält die Verbindung über einen Provider herstellt und jeder Provider einen bestimmten IP-Range, also Adressbereich, zugeteilt bekommen hat wovon er eine Adresse dynamisch dem Kunden zuweist und diese auch für jedermann einsehbar ist und die Provider ausserdem verpflichtet sind die personenbezogenen Daten mindestens 6 Monate zu speichern (Vorratsdatenspeicherung), kann man innerhalb diesen Zeitraums jede aufgerufene Seite oder jeden in Anspruch genommenen Dienst (Mail, ICQ, FPT etc.) einer Person lückenlos nachweisen. Folgt man einem Link auf einer Seite sieht die besuchte Seite neben Informationen wie eben der IP Adresse aus der sich der ungefähre Wohnort ermitteln läßt auch Daten wie Browser, Betriebssystem und vieles mehr.

Mann muss nicht unbedingt Dreck am Stecken haben um das mit Mißmut zu sehen. Schliesslich läuft man auch nicht ständig mit einem Schild in der Gegend herum auf dem steht wie man heißt, wo man wohnt, wo man gerade war und wo man hin will.

Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten diese Transparenz einzuschränken indem man seine eigene IP der besuchten Seite nicht mitteilt.

  • Anonymizer (Rewebber) – Seiten die es einem ermöglichen Webseiten aufzurufen ohne die eingene IP zu übertragen
  • Public Proxy – einen anderen Proxy zwischenschalten der die eigene IP nicht speichert
  • Proxy Netzwerk – ein Verbund aus mehreren Proxy Servern die die Anfrage über mehrere Stationen laufen lassen
  • .

Anonymizer (Rewebber):

Die einfachste Art der Verschleierung der eigenen Identität geht über solch einen Webproxy Dienst. Man ruft die Anonymizer Seite auf und findet dort eine Suchmaske in die man die Ziel URL eingibt. Nun baut der Anonymizer die Verbindung über seinen Server auf und präsentiert einem das Ergebnis, also die gewünschte Webseite. Es sind auch diverse Plugins vorhanden die einem den Aufruf einer solchen Seite ersparen und die Möglichkeit des anonymisierten Aufrufs direkt in den Browser integrieren. Grundsätzlich eine schöne Sache aber es gibt 2 große Nachteile.
Zum einen ist es umständlich und man hat bei den meisten Seite eine störende Leiste eingeblendet die einem auch noch mit Werbung belästigt. Zum anderen erreicht man dadurch bei weitem keine Anonymität. Diese Dienste sind eigentlich nur dann zu empfehlen wenn man im Büro mal eben auf Seiten möchte die nicht unbedingt in der Historie auftauchen sollen oder vom Firmenproxy geblockt sind. Aktuell natürlich auch hilfreich um bei YouTube Musikvideos anzusehen da diese ja nur für Besucher mit Deutscher IP Adresse gesperrt sind.
Doch auch beim unerlaubten Büro surfen ist Vorsicht geboten da Cookies und Browsercache manuell gelöscht werden müssen.

Die Liste der Dienste ist riesig deshalb hier nur einige der Bekanntesten

http://anonymouse.org/
http://libertybell.biz/
http://www.hidemyass.com/
https://proxify.com/
http://www.shadowsurf.com/
http://www.proxyweb.net/
und noch viele mehr ..

Public Proxy:

Einen Proxy zwischenschalten unterscheidet sich von der Funktion nur geringfügig von den Anonymizer Diensten liefert aber bereits deutlich bessere Ergebnisse und man kommt dem anonymen surfen schon näher. Anstelle eine URL über einen Webdienst aufzurufen kommuniziert der Rechner zu Hause nun direkt mit dem Proxy Server und dieser fungiert als Vermittler. Jede Anfrage an eine Internetseite wird an den Proxyserver übermittelt, dieser gibt uns ein Ticket und übermittelt die Anfrage an die Zieladresse. Bekommt er die Antwort gibt er diese an uns weiter. Dadurch hat die Zieladresse wieder nur Kenntnis über die Adresse des Proxys.

Das ganze ist natürlich nur dann sinnvoll wenn der Proxy die Verbindungsdaten nicht zwischenspeichert, also ein anonymer Proxy. Der Nachteil an diesen Proxy Servern ist sie sind gefragt und haben deshalb viel zu tun. Darunter leidet die Geschwindigket deutlich. Außerdem haben sie im Gegensatz zu den Webdiensten nicht die Möglichkeit Werbung zu schalten. Man darf sich also Fragen ob sie das wirklich der zu Gunsten der Sache tun und die damit verbundenen Kosten aus Nächstenliebe auf sich nehmen oder ob sie mit den dadurch erhaltenen Daten etwas anderes vor haben.

In der Regel ist es nicht zu empfehlen einen solchen Proxy zwischenzuschalten da man nie sicher sein kann wer der Betreiber ist.

Um dennoch solch einen Proxy einzurichten muss im Browser in den Verbindungsoptionen die IP Adresse und der zugehörige Port eingetragen werden.
Nachfolgend einige Listen von Public Proxy Servern. Wie bereits geschrieben sind anonyme Proxy Server rar gesäht und mann muss ein wenig Ausschau halten bis man einen gefunden hat der auch noch einigermaßen stabil läuft.

http://www.publicproxyservers.com/
http://www.proxy4free.com/
http://www.cooleasy.com/
http://www.anonymitychecker.com/

Proxy Netzwerk:

Die Beste Möglichkeit seine wahre virtuelle Identität zu verschleiern bieten die Proxy Netzwerke. Das bekannteste Beispiel ist neben JAP (das leider teilweise kommerziellen Hintergrund hat und weswegen ich darauf nicht eingehe) das Tor Netzwerk. Das Prinzip ist ähnlich einem Proxy, also es wird eine Verbindung vom eigenen PC zu einem Proxy aufgebaut nur baut dieser Proxy dann keine Verbindung zu unserer Zieladresse auf sondern stellt seine Anfrage wieder an einen weiteren Proxy und dieser stellt seine Anfrage ebenfalls an einen weiteren Proxy und so weiter.

Diese Server sind überall auf der Welt verteilt und stellen die Anfragen an den nächsten Proxy jeweils verschlüsselt so dass man nie sehen kann von wo die Anfrage ursprünglich gestartet ist. Dieses Server nennt man aufgrund ihres verschachtelten Aufbaus Onion Router (von engl. Zwiebel). Gemeinsam mit den TOR Verzeichnisservern sind sie für die Verschlüsselte (SSLv3) und Anonyme Übertragung der Daten verantwortlich. Wer sich für den genauen Aufbau und die Vertrauensstellungen der Server untereinander interessiert dem lege ich die Entwicklerseite und die ausführliche FAQ nahe.

Im Gegensatz zu den beiden anderen vorgestellten Varianten muss man um Tor nutzen zu können eine Installation durchführen. Diese ist allerdings nicht sonderlich kompliziert.

1. Runterladen des Komplett Pakets
2. Installation wobei darauf geachtet werden muss dass alle Optionen aktiviert sind. Anleitung
3. Starten von Privoxy und Vidalia
4. FireFox installieren falls nicht vorhanden und anschliessen die Tor Button Erweiterung installieren
5. Anschliessend den Tor Button aktivieren und mann kann schoneinmal deutlich anonymer durchs WWW streifen.

Allerdings ergibt sich durch das Verteilen der Anfragen auf viele Onion Router ein nicht zu unterschätzender Geschwindigkeitsnachteil. Deswegen ist es nicht ratsam Tor ständig aktiv zu haben.

Ebenfalls ein Funktionsfähiges Plugin für den Opera Browser (welchen ich bevorzuge) ist OperaTOR.

Folgende Punkte sind für eine absolut Anonyme Verbindung ebenfalls zu beachten:

- Das Betriebssystem, der Browser, E-mail Client und sonstige Anwendungen sowie der Router sollten so konfiguriert werden dass Zugriffe von Außerhalb stark eingeschränkt werden.
- Jede Verbindung die eine Punkt zu Punkt Verschlüsselung bietet sollte genutzt werden. Sei es Mail Verschlüsselung (GPG), Gesicherte Verbindung zum Webserver (SSL/TLS), Verschlüsseltes Chatten (OTR, SecureIM)
- keine Teilnahme an Sozialen Netzwerken wie Facebook, MeinVZ, Xing etc.
- kein Eintragen von persönlichen Daten in Mails, Messenger und Intenet Formularen
- kein Online Banking und kein abschliessen von Kaufverträgen
- Auf Plugins wie Java, Flash, Real Player, ActiveX und andere verzichten

Wie man sieht ist eine 99,9%ige Sicherheit nur schwer zu erreichen und für den normalen Anwender nahezu unmöglich. Man kann aber durch Nutzen des TOR Netzwerkes seine Anonymität im Internet deutlich steigern.

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